Osteopathie bei Schmerzen: Strategien für den Alltag
20.05.26
Schmerz ist für viele Menschen ein ständiger Begleiter – mal akut, mal chronisch – und kann den Alltag stark einschränken. Doch Schmerz ist nicht nur ein körperliches Signal: Er entsteht an der Schnittstelle von Nervensystem, Psyche und Lebensumständen. Um besser mit Beschwerden umgehen zu können, ist es zunächst entscheidend, die komplexen Zusammenhänge von Schmerz zu verstehen.
Schmerz ist mehr als ein Warnsignal
Schmerz ist unangenehm, aber auch ein Signal des Körpers. Akute Schmerzen haben meist eine klare Ursache und schützen vor weiteren Schäden. Chronische Schmerzen dagegen bestehen länger und verlieren oft ihre ursprüngliche Warnfunktion. Laut Deutscher Schmerzgesellschaft sind über 23 Millionen Menschen in Deutschland betroffen.
„Was greifbar und erklärbar ist, macht weniger Angst – und weniger Angst kann auch heißen: weniger Schmerz“, erklärt Tamara Hussendörfer, Physiotherapeutin B.Sc. und Heilpraktikerin mit osteopathischer Qualifizierung. Ein besseres Verständnis vermittelt Sicherheit und ermöglicht gezieltes Reagieren – sei es durch körperliche Maßnahmen oder mentale Strategien.

Akute oder chronische Schmerzen: Unterschiede erkennen
Bei akuten Schmerzen liegt der Fokus meist auf der strukturellen Ebene des Körpers. Chronische Schmerzen sind hingegen komplexer: Das Nervensystem kann den Schmerz auch ohne akuten Reiz weiterhin melden.
„Für die Behandlung bedeutet das: Bei chronischen Schmerzen spielen Nervensystem, Psyche, Lebensstil und Schmerzverständnis eine zunehmend wichtige Rolle“, erklärt Hussendörfer.
Immunsystem und Psyche beeinflussen das Schmerzgeschehen
Schmerzen entstehen nicht nur körperlich, sondern auch durch psychosoziale Faktoren wie Stress, Angst oder Schlafstörungen. Das Immunsystem kann Heilungsprozesse unterstützen, aber auch Schmerzen verstärken.
„Der Parasympathikus übernimmt bei diesen Prozessen eine wichtige Funktion. Durch seine Aktivierung können wir einen Zustand der Ruhe und Sicherheit erzeugen“, betont Hussendörfer. Osteopathische Ansätze – von sanften Behandlungstechniken bis hin zu aufklärender Kommunikation – können hier regulierend wirken.
Drei Strategien, um Schmerzen im Alltag besser zu bewältigen
Patienten können selbst aktiv werden. Tamara Hussendörfer empfiehlt drei einfache Schritte:
- Etwas für den Körper: Bewegungsübungen, Dehnungen oder Wärme- und Kälteanwendungen.
- Etwas für das Nervensystem: Atemübungen zur Beruhigung und Regulation.
- Etwas für den Kopf: Aufklärung und Perspektivwechsel im Umgang mit Schmerz.
Wichtig ist: Die Maßnahmen sollten selbstwirksam erlebt werden – nicht nur „jemand macht etwas mit mir“, sondern „ich kann selbst etwas tun“.

Osteopathie als unterstützende Begleitung
Insbesondere bei komplexen Schmerzbildern, die mehrere Ursachen und Ebenen betreffen, kann Osteopathie unterstützend wirken. „Es macht einen großen Unterschied, wer am Steuer sitzt: der Schmerz oder der Patient selbst“, fasst Hussendörfer zusammen. Mit gezielter Aufklärung und sanften osteopathischen Methoden können Betroffene ihre Eigenverantwortung stärken und ihr Schmerzgeschehen besser steuern.
Interessantes über den/die Autoren
Tamara Hussendörfer
Tamara Hussendörfer ist Physiotherapeutin B.Sc. sowie Heilpraktikerin und verfügt über eine umfassende Osteopathie-Ausbildung. Außerdem ist sie Dozentin für Manuelle Therapie. Neben ihrer täglichen osteopathischen Arbeit in einer Osteopathie-Praxis nimmt sie sich den Leitspruch „behandeln – beraten – begleiten“ zu Herzen. Daraus resultiert die Bemühung, Patienten nicht nur optimal osteopathisch zu versorgen, sondern auch Wege zu finden, Menschen für die Faszination Körper und dessen Zusammenhänge zu begeistern.
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Jacqueline Damböck
Von Kindesbeinen an hat Jacqueline Damböck mit Gesundheitsthemen zu tun: Aufgewachsen in einer Massagepraxis und später Physiotherapie hat sie sich daneben schon immer für Medien und den Journalismus interessiert. Nach der kaufmännischen Ausbildung im Verlag absolvierte sie daher das Ressortjournalismus-Studium mit Schwerpunkt Medizin und Biowissenschaften an der Hochschule Ansbach.
Im Anschluss sammelte sie Erfahrungen als Fachredakteurin, freie Journalistin und Werbetexterin. Bevor sie zum bvo wechselte war sie Chefredakteurin der CO.med.
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