Osteopathie in den Wechseljahren: Wie sie Frauen in dieser Lebensphase unterstützen kann

15.10.26
Osteopathische Anamnese bei Wechseljahresbeschwerden: Im ausführlichen Gespräch werden individuelle Beschwerden sowie Faktoren wie Schlaf, Stress und Lebensgewohnheiten berücksichtigt.
Gerade in den Wechseljahren spielt eine ausführliche Anamnese eine zentrale Rolle: Osteopathinnen und Osteopathen nehmen sich im Gespräch Zeit, um aktuelle Beschwerden ebenso wie Einflussfaktoren wie Schlaf, Stress und Lebensgewohnheiten ganzheitlich zu erfassen. Foto: bvo

Die Wechseljahre sind eine natürliche Übergangsphase im Leben jeder Frau. Während sich der Hormonhaushalt verändert und der Körper sich neu reguliert, können unterschiedliche körperliche und emotionale Veränderungen auftreten. Hitzewallungen, Schlafstörungen, innere Unruhe, Stimmungsschwankungen oder Gelenkbeschwerden gehören für viele Frauen zu den Herausforderungen dieser Lebensphase.

Viele Frauen suchen dann nach Möglichkeiten, ihren Körper ganzheitlich zu unterstützen. Osteopathie betrachtet dabei nicht nur einzelne Symptome, sondern die Zusammenhänge im gesamten Organismus. Welche Möglichkeiten eine osteopathische Begleitung in den Wechseljahren bietet, erklärt Frauenosteopathie-Expertin Susanne Dreyer.

Wechseljahre: Eine natürliche Lebensphase und eine Zeit des Wandels

Die Wechseljahre sind eine natürliche Phase im Leben einer Frau, in der sich der Hormonhaushalt verändert. Dabei stellt sich der Körper auf die Zeit nach der letzten Regelblutung – die Menopause – ein. Dieser Prozess kann mehrere Jahre dauern und geht bei vielen Frauen mit unterschiedlichen Beschwerden einher.

Zu den häufigsten Symptomen der Wechseljahre gehören:

  • Hitzewallungen und Nachtschweiß
  • Schlafstörungen
  • Stimmungsschwankungen und innere Unruhe
  • Gelenk- und Muskelschmerzen
  • Erschöpfung und Konzentrationsprobleme
  • Veränderungen der Schleimhäute, beispielsweise vaginale Trockenheit
  • wiederkehrende Blasenbeschwerden

Dabei erlebt jede Frau diese Lebensphase unterschiedlich. Während einige kaum Beschwerden wahrnehmen, empfinden andere die körperlichen und emotionalen Veränderungen als deutliche Belastung.

Gleichzeitig sind die Wechseljahre nicht nur mit Beschwerden verbunden, sondern auch eine natürliche Übergangsphase, in der sich der Körper an neue hormonelle Bedingungen anpasst.

Wechseljahre in Zahlen

Die Wechseljahre (Klimakterium) betreffen früher oder später jede Frau. In Deutschland liegt das durchschnittliche Alter der Menopause – also der letzten Regelblutung – bei etwa 50 bis 52 Jahren. Rund zehn Millionen Frauen befinden sich aktuell in der Perimenopause, Menopause oder Postmenopause.

Etwa ein Drittel aller Frauen berichtet kaum von Beschwerden. Bei anderen treten leichte bis moderate oder auch stärkere Symptome auf, die sich über mehrere Jahre entwickeln und verändern können.

Warum kann Osteopathie in den Wechseljahren interessant sein?

Häufig interessieren sich Frauen für Osteopathie bei Wechseljahresbeschwerden, weil sie einen Ansatz suchen, der den Menschen als Ganzes betrachtet. Dabei geht es nicht darum, einzelne Symptome isoliert zu betrachten, sondern mögliche Zusammenhänge im Körper zu verstehen.

„Viele Frauen erleben in den Wechseljahren nicht nur körperliche, sondern auch emotionale Belastungen. Die Kombination aus Schlafmangel, Unruhe und hormonellen Veränderungen fordert den gesamten Organismus heraus“, beschreibt Susanne Dreyer, die in eigener Osteopathie-Praxis tätig ist und sich auf Frauenosteopathie spezialisiert hat.

In der osteopathischen Behandlung werden unter anderem funktionelle Zusammenhänge betrachtet, beispielsweise zwischen:

  • dem vegetativen Nervensystem und der Stressregulation
  • hormonellen Regelkreisen
  • Beweglichkeit und Spannung von Geweben
  • Stoffwechselprozessen

Ziel der osteopathischen Behandlung ist es, Bewegungseinschränkungen und Spannungsmuster zu erkennen, sanft zu behandeln und die Regulationsfähigkeit des Körpers zu unterstützen.

Das vegetative Nervensystem im Fokus der osteopathischen Betrachtung

Gerade in den Wechseljahren und der osteopathischen Behandlung spielt das vegetative Nervensystem eine wichtige Rolle. Es steuert zahlreiche unbewusste Prozesse im Körper – darunter Herzschlag, Verdauung, Schlaf und Stressreaktionen.

Auch hormonelle Veränderungen können Auswirkungen auf verschiedene Körpersysteme haben. Dazu gehören unter anderem:

  • Hypothalamus und Hypophyse als zentrale Steuerstellen im Gehirn
  • Nebennieren
  • Schilddrüse
  • Eierstöcke
  • Leber und Darm als wichtige Organe für Stoffwechselprozesse

„In dieser Lebensphase arbeiten wir osteopathisch besonders viel mit dem vegetativen Nervensystem und den hormonellen Regelkreisen. Diese Bereiche stehen eng miteinander in Verbindung und reagieren sensibel auf Veränderungen“, erklärt Susanne Dreyer.

Osteopathie in den Wechseljahren: Die Behandlung kann darauf ausgerichtet sein, funktionelle Zusammenhänge zu betrachten und die körperliche Regulation zu unterstützen.
„Handarbeit“: Osteopathen lösen Spannungen und unterstützen so die körperliche Regulation – auch während der Wechseljahre. Foto: bvo

Wie läuft eine osteopathische Behandlung bei Wechseljahresbeschwerden ab?

Am Anfang jeder osteopathischen Behandlung steht eine ausführliche Anamnese. Dabei geht es nicht nur um die aktuellen Beschwerden, sondern auch um mögliche Einflussfaktoren wie:

  • Schlafqualität
  • Stressbelastung
  • Ernährung und Lebensgewohnheiten
  • bisherige gesundheitliche Entwicklungen

Anschließend erfolgt eine individuelle Untersuchung. Denn die Ursachen für funktionelle Beschwerden können von Frau zu Frau unterschiedlich sein.

„Eine gezielte Diagnostik ist die Grundlage jeder Behandlung. Erst wenn wir verstehen, welche Zusammenhänge im Körper bestehen, kann ein individueller osteopathischer Ansatz entstehen“, so Dreyer.

Wie viele Behandlungen sinnvoll sind, hängt vom jeweiligen Befund ab. Während manche Frauen bereits nach wenigen Sitzungen Veränderungen wahrnehmen, kann bei komplexeren Beschwerden eine längere Begleitung sinnvoll sein.

Bei welchen Beschwerden in den Wechseljahren kann Osteopathie unterstützen?

Frauen kommen mit sehr unterschiedlichen Anliegen in eine osteopathische Praxis. Häufig stehen Beschwerden im Vordergrund, die mit Veränderungen der Regulation, Spannung oder Beweglichkeit im Körper verbunden sein können.

Eine osteopathische Begleitung kann beispielsweise bei folgenden Themen unterstützend eingesetzt werden:

  • Schlafproblemen und innerer Unruhe
  • Spannungsgefühlen und Beschwerden des Bewegungsapparates
  • Veränderungen im Bereich Becken und Beckenboden
  • einem allgemeinen Gefühl von körperlicher Belastung oder eingeschränkter Regulationsfähigkeit

Welche Bereiche im Mittelpunkt stehen, hängt immer von der individuellen Situation ab. Viele Frauen berichten jedoch, dass sie osteopathische Behandlungen in den Wechseljahren als unterstützend erleben.

Eine Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen kann dabei sinnvoll sein – beispielsweise mit Gynäkologie, Endokrinologie oder weiteren therapeutischen Bereichen. Wichtig ist jedoch: Osteopathie ersetzt keine ärztliche Abklärung. Bei akuten Infektionen, Entzündungen, frischen Verletzungen oder schweren Erkrankungen steht die notwendige medizinische Behandlung im Vordergrund.

Osteopathische Behandlung in den Wechseljahren: Eine individuelle Behandlung kann Frauen dabei unterstützen, ihren Körper in dieser Lebensphase bewusster wahrzunehmen.
Fast 100% Weiterempfehlungsquote: Patientinnen und Patienten sind laut einer Umfrage sehr zufrieden mit ihrer osteopathischen Behandlung. Foto: bvo

Was können Frauen selbst tun, um ihren Körper in den Wechseljahren zu unterstützen?

Neben einer osteopathischen Behandlung können auch alltägliche Maßnahmen dazu beitragen, den weiblichen Körper in dieser Lebensphase zu unterstützen. Dazu zählen:

Stress reduzieren

Chronischer Stress kann die Regulation des Körpers zusätzlich belasten. Entspannung, ausreichend Pausen und bewusste Erholungszeiten können hilfreich sein.

Schlaf fördern

Regelmäßiges Tageslicht am Morgen, eine gute Schlafroutine und weniger Bildschirmzeit am Abend können die Schlafqualität unterstützen.

Bewegung und Krafttraining integrieren

Regelmäßige Bewegung – insbesondere Krafttraining – unterstützt Muskeln, Knochen und Stoffwechsel.

Ernährung und Darmgesundheit beachten

Eine ausgewogene Ernährung sowie ein bewusster Umgang mit Darm- und Lebergesundheit können wichtige Faktoren für das Wohlbefinden sein.

Wärme- und Kälteanwendungen nutzen

Viele Frauen empfinden Temperaturreize als angenehm, beispielsweise bei Verspannungen oder Hitzewallungen.

Osteopathie kann Frauen in den Wechseljahren individuell begleiten

Die Wechseljahre sind eine natürliche Lebensphase mit vielen Veränderungen. Osteopathie kann Frauen dabei unterstützen, ihren Körper besser wahrzunehmen, funktionelle Zusammenhänge zu verstehen und die eigenen Regulationsprozesse zu fördern.

Dabei steht immer der individuelle Mensch im Mittelpunkt: Beschwerden, Lebenssituation und körperliche Voraussetzungen werden gemeinsam betrachtet. Besonders wirkungsvoll kann eine osteopathische Begleitung sein, wenn sie mit einem gesundheitsfördernden Lebensstil und – falls notwendig – einer interdisziplinären medizinischen Betreuung verbunden wird.


Interessantes über den/die Autoren


Susanne Dreyer

Seit rund 25 Jahren ist Susanne Dreyer Physiotherapeutin in eigener Praxis. Zusätzlich ist sie Heilpraktikerin und hat eine Ausbildung in Osteopathie und Kinderosteopathie abgeschlossen. Ihr beruflicher Schwerpunkt liegt in den Fachbereichen Gynäkologie, Pädiatrie und Kinderwunsch. Susanne Dreyer hat dazu Fortbildungen u.a. als ADHS/ADS-Coach, Hormonausbildung sowie einen Womens Health Course am Molinari Institut absolviert.

 

Kontakt:

susanne@dreyer-herxheim.de

www.osteo-dreyer.de

Jacqueline Damböck

Jacqueline Damböck

Von Kindesbeinen an hat Jacqueline Damböck mit Gesundheitsthemen zu tun: Aufgewachsen in einer Massagepraxis und später Physiotherapie hat sie sich daneben schon immer für Medien und den Journalismus interessiert. Nach der kaufmännischen Ausbildung im Verlag absolvierte sie daher das Ressortjournalismus-Studium mit Schwerpunkt Medizin und Biowissenschaften an der Hochschule Ansbach.

Im Anschluss sammelte sie Erfahrungen als Fachredakteurin, freie Journalistin und Werbetexterin. Bevor sie zum bvo wechselte war sie Chefredakteurin der CO.med.

Kontakt:

presse@bv-osteopathie.de


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