Stark durch die Erkältungszeit: Wie Osteopathie präventiv unterstützen kann
17.09.26
Wenn die Temperaturen sinken und die Tage kürzer werden, beginnt für viele Menschen die Erkältungszeit. Husten, Schnupfen und Halsschmerzen gehören dann fast schon zum Alltag. Entsprechend groß ist das Interesse an Möglichkeiten, die eigenen Abwehrkräfte zu unterstützen – idealerweise frühzeitig und möglichst sanft. Neben Bewegung, Ernährung und ausreichend Schlaf rückt dabei auch die Osteopathie stärker in den Fokus.
Der bvo-Experte und Heilpraktiker Benjamin Hartlieb, der seit über zehn Jahren eine eigene Praxis für Osteopathie und Naturheilkunde in Pforzheim führt, erklärt, wie Osteopathie präventiv eingesetzt werden kann und worauf dabei zu achten ist.
Osteopathie und Immunsystem: Wie hängt das zusammen?
Osteopathie betrachtet den Menschen als funktionelle Einheit. Ziel ist es, Beweglichkeit und Gleichgewicht im Körper zu fördern und dadurch die natürlichen Regulationsmechanismen zu unterstützen. Diese Sichtweise ist auch mit Blick auf das Immunsystem relevant.
„Osteopathie versteht den Körper als Einheit. Durch sanfte manuelle Techniken können Spannungen gelöst, die Atembewegung verbessert und das vegetative Nervensystem positiv beeinflusst werden“, erklärt Benjamin Hartlieb. Ein gut regulierter Organismus kann äußeren Belastungen häufig besser begegnen – dazu zählen auch Infekte der Atemwege.
Wichtig ist dabei: Osteopathie ersetzt keine medizinische Behandlung, sondern versteht sich als unterstützende Maßnahme, die den Körper in seiner Anpassungs- und Selbstregulationsfähigkeit begleiten kann.

Erkältungen verstehen: Ursachen und Risikofaktoren
Medizinisch handelt es sich bei einer Erkältung meist um eine durch Viren verursachte Infektion der oberen Atemwege. Typische Symptome sind Schnupfen, Husten, Halsschmerzen sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl.
Begünstigt werden Erkältungen unter anderem durch Stress, Schlafmangel und äußere Faktoren wie Kälte. Auch trockene Heizungsluft kann die Schleimhäute im Nasen- und Rachenraum belasten. Sind diese natürlichen Schutzbarrieren geschwächt, haben Viren leichteres Spiel.
Präventive Maßnahmen und Hinweise der Osteopathie
Osteopathie gehört für viele Menschen zum festen Bestandteil ihres Gesundheitskonzepts. Laut aktueller FORSA-Umfrage waren rund 19 Millionen Menschen selbst oder mit ihren Kindern in osteopathischer Behandlung. Dabei vertrauen Patienten nicht nur auf die Wirkung der Osteopathie bei Rückenschmerzen und anderen Beschwerden, sondern auch auf den präventiven Einsatz – zum Beispiel zur Unterstützung der Abwehrkräfte in der Erkältungszeit.

Osteopathie in Aktion: So wirken die Techniken im Körper
In der Osteopathie gilt Bewegung als zentrales Prinzip – und zwar nicht nur in den Gelenken oder der Wirbelsäule. Auch innere Strukturen und Flüssigkeitssysteme sind auf freie Beweglichkeit angewiesen.
Osteopathische Techniken können unter anderem am Brustkorb, am Zwerchfell und an der Atemmuskulatur ansetzen, um die Atmung zu vertiefen. Ebenso spielen Durchblutung und Lymphfluss eine wichtige Rolle, da sie maßgeblich am Transport von Nährstoffen und Immunzellen beteiligt sind.
Ein weiterer Fokus liegt häufig auf dem Bauchraum. Dort befindet sich ein großer Teil des Immunsystems, insbesondere in der Darmschleimhaut. Einschränkungen in diesem Bereich können sich auf die gesamte Immunabwehr auswirken. Ziel der Behandlung ist es, Blockaden zu lösen und die freie Bewegung im Gewebe zu fördern.
Für wen ist osteopathische Prävention sinnvoll?
„Im Prinzip kann jeder von einer osteopathischen Behandlung profitieren, da sie den Körper in seiner Regulationsfähigkeit unterstützt“, erklärt Hartlieb. Besonders hilfreich kann sie jedoch für Menschen sein, bei denen die Gewebebeweglichkeit eingeschränkt ist.
Dazu zählen beispielsweise Kinder mit häufigen Infekten, ältere Menschen, deren Abwehrkräfte altersbedingt nachlassen, sowie sportlich aktive Menschen mit hoher körperlicher Belastung. Auch nach Erkrankungen oder in Phasen erhöhter Beanspruchung kann eine osteopathische Begleitung sinnvoll sein.

Häufigkeit der Behandlung
Wie häufig eine osteopathische Behandlung in Anspruch genommen wird, hängt von der individuellen Situation ab. Zur Prävention reicht es in vielen Fällen aus, ein- bis zweimal im Jahr eine Behandlung einzuplanen – etwa zu Beginn der kalten Jahreszeit.
Bei Menschen mit wiederkehrenden Infekten oder besonderen Belastungen können auch kürzere Abstände sinnvoll sein. Eine individuelle Einschätzung erfolgt im Rahmen der Behandlung.
Grenzen der Osteopathie
So wichtig der präventive Ansatz ist – es gibt klare Grenzen. „Bei akuten Infekten mit Fieber ist eine osteopathische Behandlung nicht angezeigt“, betont Hartlieb. „Fieber bedeutet, dass der Körper bereits stark arbeitet und das Immunsystem voll gefordert ist.“
In solchen Situationen gehört die Behandlung in ärztliche Hände. Osteopathie kann anschließend begleitend unterstützen, ersetzt jedoch niemals eine notwendige schulmedizinische Therapie.
Integrativer Ansatz: Osteopathie und weitere Maßnahmen
Besonders wirkungsvoll kann Osteopathie sein, wenn sie Teil eines ganzheitlichen Konzepts ist. „Entscheidend ist eine bewusste und gezielte Kombination, bei der verschiedene Reize unterschiedliche Systeme des Körpers ansprechen“, erklärt Hartlieb.
Gut kombinierbar sind beispielsweise pflanzliche Präparate aus der Phytotherapie, Akupunktur oder Maßnahmen zur Stressreduktion wie Atemübungen und Meditation. Wichtig ist dabei, nicht nach dem Motto „viel hilft viel“ vorzugehen, sondern die einzelnen Methoden gezielt und sinnvoll einzusetzen.

Drei Tipps von Benjamin Hartlieb zur Erkältungsvorbeugung
Drei einfache Maßnahmen für den Alltag:
- Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft.
- Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung.
- Ausreichend Schlaf und bewusstes Stressmanagement.
Praxisbeispiel: Osteopathische Unterstützung bei häufigen Infekten
Ein wiederkehrendes Beispiel aus der Praxis von Benjamin Hartlieb sind Kinder mit häufigen Atemwegsinfekten. Bei der osteopathischen Untersuchung zeigt sich dabei nicht selten ein gespannter Bauchraum.
Da ein großer Teil des Immunsystems in der Darmschleimhaut verankert ist, können Belastungen im Verdauungstrakt die Immunabwehr beeinflussen. In solchen Fällen setzt die osteopathische Behandlung gezielt am Bauchraum an, um Spannungen zu lösen und die Gewebebeweglichkeit zu verbessern. Ergänzend werden auch Lebensstilfaktoren wie Ernährung berücksichtigt.

Ganzheitlich gestärkt durch die Erkältungszeit
Osteopathie kann präventiv einen wertvollen Beitrag leisten, um die Abwehrkräfte zu unterstützen. In Kombination mit Bewegung, ausgewogener Ernährung, erholsamem Schlaf und weiteren integrativen Ansätzen entsteht ein ganzheitliches Konzept, das den Körper widerstandsfähiger durch die Erkältungszeit begleiten kann.
Interessantes über den/die Autoren
Benjamin Hartlieb
Seine Osteopathie-Ausbildung hat Heilpraktiker Benjamin Hartlieb bereits 2008 am College Sutherland abgeschlossen und ist seit 2008 in eigener Praxis in Pforzheim tätig, die auch akademische Lehrpraxis der Hochschule Fresenius ist.
Benjamin Hartlieb ist nicht nur staatlich anerkannter Osteopath, sondern auch Referent und Autor zu verschiedenen Gesundheitsthemen. Athleten der Special Olympics betreut er medizinisch und ist daneben auch regelmäßig in Gesundheits-Podcasts zu hören.
Jacqueline Damböck
Von Kindesbeinen an hat Jacqueline Damböck mit Gesundheitsthemen zu tun: Aufgewachsen in einer Massagepraxis und später Physiotherapie hat sie sich daneben schon immer für Medien und den Journalismus interessiert. Nach der kaufmännischen Ausbildung im Verlag absolvierte sie daher das Ressortjournalismus-Studium mit Schwerpunkt Medizin und Biowissenschaften an der Hochschule Ansbach.
Im Anschluss sammelte sie Erfahrungen als Fachredakteurin, freie Journalistin und Werbetexterin. Bevor sie zum bvo wechselte war sie Chefredakteurin der CO.med.
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