Osteopathie nach einer Fehlgeburt

09.05.22

Sängerin Beyoncé, Ex-First Lady Michelle Obama oder auch Herzogin Meghan – diese Frauen haben eines gemeinsam: Sie alle haben in der Vergangenheit eine Fehlgeburt erlitten. Obwohl Fehlgeburten leider recht häufig auftreten, wird selten über das Thema gesprochen. In den letzten Jahren treten aber immer mehr Frauen an die Öffentlichkeit und sprechen offen über die emotional und körperlich belastenden Erfahrungen. Osteopathie kann dabei helfen, sich körperlich und emotional von diesem traumatischen Ereignis zu erholen, Ursachen zu erkennen und Einschränkungen zu behandeln.

Frauen mit Fehlgeburten
Beinahe jede sechste Frau hatte bereits eine Fehlgeburt. Der Schicksalsschlag ist nicht nur emotional sehr belastend, sondern auch körperlich. Die Osteopathie kann hier unterstützen. Foto: leszekglasner – stock.adobe.com

Eine Fehlgeburt liegt vor, wenn die Schwangerschaft vor der 24. Schwangerschaftswoche endet oder das Kind weniger als 500 Gramm wiegt. [1, 2] Ein ungewollter Schwangerschaftsabbruch kommt häufiger als gedacht: Etwa jede sechste Frau ist betroffen und somit 12 bis 24 % der Schwangerschaften. Vor allem im ersten Drittel der Schwangerschaft ist die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt erhöht.

Wie kann Osteopathie bei Fehlgeburten helfen?
Die Ursachen für eine Fehlgeburt sind vielfältig. Manchmal sind genetische Defekte des Embryos verantwortlich. In anderen Fällen beendet eine Virusinfektion die Schwangerschaft ungewollt. Solche und viele weitere Komplikationen lassen sich nicht immer vermeiden oder behandeln.

Ist die Fehlgeburt jedoch mit körperlichen Einschränkungen der Mutter verbunden, kann die Osteopathie dabei helfen, den Körper wieder in Balance zu bringen und sicherstellen, dass Organe, Muskulatur und ganz besonders fasziale Systeme wieder gut zusammenarbeiten. Der Osteopath kann hier mit viel Feingefühl Dysfunktionen ertasten und lösen, die für eine Schwangerschaft relevant sind.

In Studien wurde beispielsweise ein Zusammenhang zwischen Dysfunktionen in der Lendenwirbelsäule und der Versorgung des Uterus festgestellt. Eine osteopathische Behandlung kann nachweislich helfen, solche Probleme zu behandeln und gerade in der Frühschwangerschaft die Versorgung der Plazenta und des Uterus unterstützen.

Susanne Dreyer, Leiterin einer Praxis für Osteopathie mit Schwerpunkt Gynäkologie, weiß um das komplexe Zusammenspiel im Körper der Frau: „Neben Gelenken, Muskeln, Faszien und Organen haben vor allem die arterielle und nervale Versorgung in der Schwangerschaft höchste Priorität. Treten hier Probleme auf, beeinflusst das die gesunde Entwicklung des Kindes – und somit auch die der Schwangerschaft.“

Und weiter: „Hier setzt die Osteopathie an, indem sie gezielt auf Strukturen einwirkt, die den kleinen Beckenraum optimal versorgen. Auch andere Gewebe, wie zum Beispiel die Schilddrüse und weitere wichtige hormonbildende Drüsen können wir mit osteopathischen Techniken positiv beeinflussen und dadurch einen Vorteil für eine optimal verlaufende Frühschwangerschaft schaffen.“

Durch die Osteopathie können mögliche Ursachen einer Fehlgeburt identifiziert und behandelt werden. Foto: Microgen – stock.adobe.com

Osteopathie bei Beschwerden nach einer Fehlgeburt
Durch eine Schwangerschaft, aber auch durch Schwangerschaftsabbrüche und Fehlgeburten, werden das weibliche Becken und die dort befindlichen Organe und Strukturen stark belastet. Diese untypische Belastung kann verschiedene Folgesymptome auslösen, wie etwa Schmerzen im Becken oder im Lendenbereich, aber auch im Unterbauch.

„Nach einer Fehlgeburt muss sich der Körper außerdem hormonell wieder anpassen. Auch diese Umstellung können wir mit osteopathischen Techniken begleiteten“, so Susanne Dreyer. Osteopathen helfen, Schmerzen und Verspannungen zu lösen, Faszien-Spannungen zu beheben und den Hormonhaushalt natürlich zu regulieren. Ebenso unterstützt die Osteopathie auf psychischer Ebene.

Ob gewollt oder ungewollt, ein Schwangerschaftsabbruch hinterlässt Spuren – sowohl bei der Mutter als auch beim Vater. Eine Behandlung durch einen Osteopathen kann deshalb für beide Partner eine Unterstützung sein.

Psychische Belastungen wirken sich häufig auf Gewebe und Faszien aus. Durch die Behandlung werden so entstehende Spannungen gelöst und Schmerzen gelindert. Mit Abklingen der körperlichen Beschwerden hat auch der emotionale Schmerz Raum, um langsam zu schwinden.

„Hier ist die Kooperation mit Kollegen aus dem psychotherapeutischen Bereich eine optimale Unterstützung zur Regulation von Körper und Seele“, weiß BVO-Expertin Susanne Dreyer.

Durch die Osteopathie werden Blockaden oder Einschränkungen entdeckt und die Balance im Körper wiederhergestellt.
Foto: contrastwerkstatt – stock.adobe.com

Ursachen einer Fehlgeburt
Häufig spielen mehrere Faktoren bei einer Fehlgeburt eine Rolle. Ein großer Teil lässt sich auf Entwicklungsstörungen oder genetische Veränderungen des Embryos zurückführen. Aber auch andere Risikofaktoren spielen eine Rolle, wie unter anderem:

  • Fehlbildungen der Gebärmutter,
  • Infektionen wie Röteln,
  • Hormonelle Störungen, z.B. Diabetes mellitus, Schilddrüsendysfunktionen, Nebennierendysfunktionen,
  • Komplikationen durch das Immunsystem,
  • Stress,
  • Autoimmunerkrankungen u.v.m.

Bei der Suche nach einer möglichen Ursache kann die Osteopathie behilflich sein. Nach einer Fehlgeburt analysiert der Osteopath vor der weiteren Behandlung mögliche Komplikationen. Dabei werden eine umfassende Anamnese und Befunderhebung genutzt:

  • Blutwerte geben wichtige Informationen über mögliche Ursachen.
  • Schilddrüsenwerte, Eisen- und Ferritinspiegel, Entzündungsmarker, aber auch Blutzuckerwerte sowie
  • vorangegangene medizinische Behandlungen und Medikamente sollten erfragt werden.
  • Auch Faktoren wie die Ernährung, Stress und sportliche Aktivitäten werden einbezogen.

Es ist wichtig, ein umfassendes Bild zu erhalten, denn frühere Verletzungen oder Einschränkungen müssen nicht direkt reproduktive Organe betreffen, um eine Rolle für eine gesunde Schwangerschaft zu spielen.

Der Darm spielt jedoch eine tragende Rolle bei der Versorgung, Nährstoffaufnahme, Hormonbildung und der Funktion des Immunsystems. Gebärmutter, Blase und auch Darm hängen eng mit der vegetativen Versorgung von Becken und Wirbelsäule zusammen. Deshalb bezieht der Osteopath auch Darmprobleme und damit zusammenhängenden Symptome in seine ganzheitliche Betrachtung mit ein.

Danach werden bei einer osteopathischen Untersuchung auch Faktoren wie Endometriose, Zysten, PMS oder PCOS (Polyzystisches Ovarsyndrom) geklärt. Des Weiteren werden mögliche Beckendysfunktionen sowie die Beweglichkeit der reproduktiven Organe, wie Uterus oder Eileiter und Eierstöcke durch den Osteopathen festgestellt. „Wir werfen dabei auch einen Blick auf die Blutversorgung und natürlich die nervale Regulation. So können alle relevanten Erkenntnisse in die Suche nach Ursachen mit in die weitere Behandlung einfließen“, erklärt Susanne Dreyer.

Kann Osteopathie Fehlgeburten präventiv verhindern?
„Ganz klar kann man osteopathisch sehr viele Aspekte unterstützen, die in der Frühschwangerschaft essenziell sind. Für uns ist eine Behandlung besonders im ersten Trimester indiziert und oft sehr erfolgreich“, so BVO-Mitglied Susanne Dreyer.

Osteopathie ist also in der Zeit bis zur vollendeten zwölften Schwangerschaftswoche besonders sinnvoll. So kann sichergestellt werden, dass keine körperlichen Regulationsstörungen vorliegen, die eine Schwangerschaft gefährden könnten.

Zentral ist neben der körperlichen Unterstützung aber auch die mentale und psychische Betreuung. „Stress mit allen seinen Facetten sehe ich als ganz großes Problem in den ersten drei Monaten“, betont Susanne Dreyer. Eine vollumfassende Versorgung ist deshalb sinnvoll: „Wir arbeiten hier sehr ganzheitlich mit Hebammen, Psychologen und Frauenärzten zusammen.“

Osteopathen in der Nähe finden

Nach einer Fehlgeburt leistet die Osteopathie auf vielen Ebenen Unterstützung – in der Osteopathensuche des BVOs finden Sie Therapeuten in Ihrer Region:

Weitere Quellen:

www.muenchen-klinik.de/geburt/fehlgeburt


www.quarks.de/gesellschaft/psychologie


www.msdmanuals.com/de-de/heim/gesundheitsprobleme-von-frauen


Interessantes über den/die Autoren


Anja Reinhardt

Seit 2016 führt Anja Reinhardt eine eigene PR- und Contentagentur im Hotel-, Tourismus- und Gesundheitsbereich. Schon während ihres Studiums der Kommunikationswissenschaften mit Schwerpunkt Public Relations hat sie erste Erfahrungen im PR-Bereich gesammelt. Danach war sie u.a. bei der Bayern Tourismus Marketing GmbH und als stv. Geschäftsführerin des Oberbayern München Tourismus e.V. tätig. Online-Texte, PR-Konzepte und Social Media sind ihr täglich Brot – inkl. einem besonderen „G’spür für Geschichten“.

Für den BVO-Blog „Osteopathie Magazin“ schreibt Anja Reinhardt schon seit 2018.

Kontakt:
presse@bv-osteopathie.de

Susanne Dreyer

Seit rund 25 Jahren ist Susanne Dreyer Physiotherapeutin in eigener Praxis. Zusätzlich ist sie Heilpraktikerin und hat eine Ausbildung in Osteopathie und Kinderosteopathie abgeschlossen. Ihr beruflicher Schwerpunkt liegt in den Fachbereichen Gynäkologie, Pädiatrie und Kinderwunsch. Susanne Dreyer hat dazu Fortbildungen u.a. als ADHS/ADS-Coach, Hormonausbildung sowie einen Womens Health Course am Molinari Institut absolviert.

 

Kontakt:

susanne@dreyer-herxheim.de

www.osteo-dreyer.de


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