Osteopathie und Yoga

21.06.22
Osteopathie und Yoga
Namasté! Der Gruß der Yogis wird wörtlich übersetzt mit „Ich verbeuge mich vor dir“: Beim Yoga sind die Übungen darauf ausgelegt, die Balance von Körper und Geist wiederherzustellen. Foto: Syda Productions – stock.adobe.com

In der Lehre des Yogas (aus dem indischen Sanskrit; „Einigung, Einheit und Harmonie“) wird der Mensch in seiner Gesamtheit betrachtet, weshalb die große Vielzahl an Praktiken sowohl auf den Körper als auch auf den Geist ausgelegt sind. Genau in dieser Philosophie ähneln sich Osteopathie und Yoga: Grundlegende Funktionsweisen des Körpers werden ganzheitlich betrachtet und in die Praxis einbezogen. Ziel ist es, den Körper in Balance zu bringen und eine harmonische Zusammenarbeit herbeizuführen. Dafür werden nicht nur Beschwerden wie Rückenschmerzen ins Visier genommen, sondern auch Faktoren wie Stress.

Yoga verbindet Bewegungsabläufe – die „Asanas“ – mit Meditation und Atemübungen. Während in den 1980er kaum jemand in Deutschland Yoga praktiziert hat, ist es in den letzten Jahren immer beliebter geworden und in jeder deutschen Stadt finden sich zahlreiche Yogastudios. Laut Statista-Umfragen gab es allein in Deutschland 2021 rund 3,1 Millionen Menschen, die in ihrer Freizeit häufig Yoga machten. Rund 7,3 Millionen Befragte gaben an, hin und wieder Yoga zu praktizieren.

Die Osteopathie hilft dabei, Blockaden
Die Osteopathie hilft dabei, Blockaden zu lösen und Fehlstellungen zu korrigieren. So können Bewegungsabläufe wieder schmerzfrei stattfinden. Foto: BVO

Wie passen Osteopathie und Yoga zusammen?

Historisch gesehen haben Osteopathie und Yoga wenig gemeinsam. Während Yoga vor einigen tausend Jahren in Indien entstand, wurde die Osteopathie erst im letzten Jahrhundert in den USA begründet. Trotz vieler Unterschiede gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den Praktiken.

Sowohl in der Osteopathie als auch im Yoga wird ein ganzheitlicher Ansatz, der alle Körperregionen einbezieht, verfolgt. Die Osteopathie arbeitet darauf hin, die Harmonie im Organismus wiederherzustellen und Blockaden im Nervengewebe, in den Muskeln und den Faszien, den inneren Organen oder auch der Atmung zu behandeln. Treten in diesen Bereichen Störungen auf, werden sie bei der osteopathischen Behandlung gelöst. Schmerzen und Fehlstellungen werden so adressiert, dass der Körper wieder in Einklang kommt.

Auch im Yoga hat die reibungslose Zusammenarbeit des Körpers einen hohen Stellenwert: Muskulatur, Nerven, Organe und Atmung sind zentrale Bestandteile der einzelnen Übungen. Blockaden und Verspannungen lösen sich so sanft und die Beweglichkeit des Körpers wird gesteigert. Schmerzen können ebenfalls gelindert werden. Ziel der Übungen ist es stets, einen positiven Einfluss auf Körper und Geist zu haben.

Osteopathie und Yoga wirken sich positiv auf die Psyche aus

Eine weitere Gemeinsamkeit der beiden Praktiken ist die mental ausgleichende Wirkung. Die Osteopathie setzt unter anderem bei den körperlichen Anzeichen von psychischen Belastungen an. Verspannungen, Schmerzen und Blockaden lassen sich oftmals auf mentale Ursachen zurückführen. Indem der Osteopath ausgleichend auf den Körper einwirkt, hat auch der Geist, Gelegenheit sich zu erholen.

Ähnlich verhält es sich auch beim Yoga. Die Balance von Körper und Geist ist zentraler Bestandteil der Praktiken. Das kann sich positiv auf die psychische Verfassung auswirken. BVO-Mitglied Godehard Stoll erklärt: „Yoga sorgt durch die geführten und relativ langsamen Bewegungen für allgemeine Mobilität und Gleichgewichtstraining. Verbunden mit der Konzentration auf die Übung – bei gleichzeitiger Entspannung – wirkt es sich positiv auf das vegetative Nervensystem aus.“

Auch eine Umfrage des Berufsverbands der Yogalehrenden in Deutschland e.V . zeigt die Vorteile auf: 49 Prozent der Praktizierenden gaben an, sich durch den Sport ruhiger, ausgeglichener und entspannter zu fühlen. Andere Studien zeigen, dass die Übungen positiv auf das Gefühlsleben einwirken und Stimmungsschwankungen ausgleichen können.

Osteopathie und Yoga wirken sich jeweils positiv auf die Psyche aus.
Osteopathie und Yoga wirken sich jeweils positiv auf die Psyche aus. Foto: Antonio Guillem / Shutterstock

Wie kann die Osteopathie Yoga-Praktizierende unterstützen?

Yoga-Übung
Yoga-Übung „Der Baum“. Diese Übung kann jeder in den Alltag integrieren. Foto: Syda Productions – stock.adobe.com

Osteopathie bietet sich für alle Sportler an – ganz egal, ob es sich um Neueinsteiger, Profis oder Hobby-Athleten handelt. Osteopathische Behandlungen können im Sport vielseitig eingesetzt werden:

  • In Ruhephasen und bei der Regeneration unterstützen.
  • Als Schutz vor drohenden Überbelastungen.
  • Um das Risiko von Sportverletzungen zu vermindern.
  • Um Leistungsgrenzen zu erhöhen .

Von zentraler Bedeutung ist dabei stets, harmonische Bewegungsabläufe herbeizuführen und individuelle Problemstellen im Bewegungs- und Stützapparat frühzeitig zu entdecken und zu lösen.

Da Yoga nicht nur eine geistige Lehre ist, sollte der sportliche Anteil der Praktik nicht unterschätzt werden. Die Übungen sind auch körperlich sehr fordernd. „Beim Yoga komme ich in Bereiche und Stellungen des Körpers, an die ich im Alltag beziehungsweise bei anderen Sportarten so nicht rankomme“, weiß BVO-Mitglied Godehard Stoll. „Yoga kann damit für Mobilität in spezifischen Bereichen sorgen, die bestenfalls vorher durch eine/n Osteopathin/en mobilisiert wurden.“

Die Osteopathie kann also zum Beispiel auch helfen, den Körper auf die Yoga-Übungen vorzubereiten.

Mit Osteopathie und Yoga Krankheiten vorbeugen

Eine osteopathische Behandlung ist nicht nur dann sinnvoll, wenn Sie unter akuten Beschwerden leiden. Einige Fehlstellungen und Blockaden des Körpers machen sich lange Zeit nicht bemerkbar, schaden dem Körper aber in langer Sicht dennoch. Um Beschwerden vorzubeugen, kann die Osteopathie helfen, Problemstellen zu identifizieren und zu lösen. Schmerzen und andere Komplikationen – beispielsweise aufgrund von Fehlbelastungen – können so akut, aber auch mit Blick auf die Zukunft, behandelt werden. 

Yoga-Übung „Der herabschauende Hund“
Yoga-Übung „Der herabschauende Hund“: Eine von drei Übungen, die sich für den Einstieg in die Yoga-Praktik eignen. Foto: Syda Productions – stock.adobe.com

Sind Bewegungsabläufe nach der Behandlung wieder schmerzfrei möglich, stellen Yogaübungen eine gute Prophylaxe dar, um erneute Probleme zu vermeiden. So können Yogaübungen etwa helfen, Fehlhaltungen aus dem Alltag auszugleichen, indem Gelenke, Bänder und Muskeln gestärkt und flexibler werden. Gleichzeitlich fördert die Bewegung die gesamte körperliche Gesundheit und hilft dabei, eine gute mentale Verfassung aufrechtzuerhalten. Yoga wird deshalb auch als präventive Leistung von Krankenkassen anerkannt und oftmals bezuschusst – allerdings mit einigen Einschränkungen.

Selbstständig Übungen durchführen

Sie können auch selbstständig Übungen in Ihren Alltag integrieren, um Ihren Körper zu unterstützen, das Wohlbefinden zu steigern und Beschwerden zu lindern. Dafür müssen Sie nicht einmal ein Yoga-Studio betreten. Zum eigenständigen Einstieg eignen sich beispielsweise diese einfachen Yoga-Übungen, zu denen Sie im Internet viele Anleitungen finden:

  • Der Baum: Durch das Stehen auf einem Bein trainieren Sie Ihren Gleichgewichtssinn und stärken die Muskeln Ihrer Beine vom Oberschenkel bis zum Fuß. Die Übung kommt auch der Körperhaltung zugute.
  • Der herabschauende Hund: Durch die Übung auf allen Vieren lösen Sie Verspannungen im Bereich der Wirbelsäule, dehnen Rücken und Oberschenkel und bauen Kraft in den Armen auf. Auch der Brustkorb und Schulterbereich werden geöffnet.
  • Die Kobra: Mit dieser leichten Rückbeuge stärken Sie die Rückenmuskulatur, lösen Verspannungen in Schultern und Bauch und erhöhen die Flexibilität der Wirbelsäule. Auch die Körpervorderseite wird gedehnt.
Yoga-Übung „Die Kobra“
Yoga-Übung „Die Kobra“: Sie stärkt die Rückenmuskulatur und löst Verspannungen. Foto: Syda Productions – stock.adobe.com

Bei der Ausführung der Übungen sollten Sie auf Ihren Körper hören. Nicht alle Übungen eignen sich für jeden Patienten. Es kann sinnvoll sein, vorher mit einem Arzt zu sprechen.

Auch Ihr Osteopath kann Ihnen individuelle Tipps geben und die richtige Behandlung einleiten. Unsere Osteopathen-Suche hilft Ihnen, die richtige Osteopathin bzw. den richtigen Osteopathen in Ihrer Nähe zu finden.

Quellen:

https://www.aok.de/pk/magazin/sport/fitness/yoga-mehr-als-nur-gewoehnlicher-sport/

https://www.aerzteblatt.de/archiv/152826/Yoga-Die-positive-Kraft-des-Yoga

https://www.yogaeasy.de/artikel/asana-des-monats-bhujangasana-die-kobra

https://www.yogaeasy.de/artikel/asana-der-herabschauende-hund-adho-mukha-svanasana

https://www.yogaeasy.de/artikel/asana-des-monats-vrksasana-der-baum

https://www.yoga.de/der-verband/

https://medizin-aspekte.de/yoga-als-medizin-was-kann-yoga-und-was-nicht-105218/

https://www.osteopathie-schule.de/pdfs/ori/publikationen/osteopathie_und_hatha-yoga.pdf

https://www.yogaeasy.de/artikel/wer-heilt-hat-recht

https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/yoga/was-ist-yoga-1057016

https://www.osteopathiewiesbaden.de/single-post/2015/07/18/yoga-und-osteopathie-vereinen-teil-ii

https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/yoga/was-ist-yoga-1057016


Interessantes über den/die Autoren


Anja Reinhardt

Seit 2016 führt Anja Reinhardt eine eigene PR- und Contentagentur im Hotel-, Tourismus- und Gesundheitsbereich. Schon während ihres Studiums der Kommunikationswissenschaften mit Schwerpunkt Public Relations hat sie erste Erfahrungen im PR-Bereich gesammelt. Danach war sie u.a. bei der Bayern Tourismus Marketing GmbH und als stv. Geschäftsführerin des Oberbayern München Tourismus e.V. tätig. Online-Texte, PR-Konzepte und Social Media sind ihr täglich Brot – inkl. einem besonderen „G’spür für Geschichten“.

Für den BVO-Blog „Osteopathie Magazin“ schreibt Anja Reinhardt schon seit 2018.

Kontakt:
presse@bv-osteopathie.de

Godehard Stoll

Der Physiotherapeut Godehard Stoll ist seit 1994 in eigener Praxis in Regenstauf tätig. Der Schwerpunkt seiner Praxis liegt auf der Neuro-Orthopädie. Seit 2004 ergänzt die Osteopathie sein Behandlungsspektrum.

In den knapp 30 Jahren seiner Selbstständigkeit hat er sich kontinuierlich fortgebildet, u.a. in Manueller Therapie, Neurophysiologie, Kinderosteopathie und zum Sektoralen Heilpraktiker für Physiotherapie.

Godehard Stoll ist Physiotherapeut und Osteopath mit Leib und Seele. In seiner Praxis ist er v.a. für die Nachbehandlung konservativer und postoperativer orthopädischer und neurologischer Patienten tätig. Sowohl Kinder als auch Erwachsene zählen dazu.

Er hält Vorträge über Osteopathie für Patienten und ist Prüfungsbeisitzer bei klinischen Osteopathie-Prüfungen.

Seit 2018 ist er Vorstand im Bundesverband Osteopathie e.V. – BVO.

 

Kontakt:
godehard.stoll@bv-osteopathie.de
www.krankengymnastik-stoll.de
www.osteopathie-regenstauf.de


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