Tag der Osteopathie am 22. Juni

22.06.20

Heute vor genau 146 Jahren hatte Andrew Taylor Still die Eingebung, aus all seinen Forschungen, Studien und Beobachtungen eine neue medizinische Behandlungsmethode zu begründen: Die Osteopathie.

Der damals 46-jährige Arzt hatte zu diesem Zeitpunkt jede Menge Erfahrung und Wissen gesammelt, das ihn motivierte, die Medizin, wie sie damals in Amerika praktiziert wurde, grundlegend zu reformieren. Welche Meilensteine und Erlebnisse im Leben des Begründers der Osteopathie führten dazu, dass er entschied, eine Alternative Behandlungsmethode zu entwickeln? Im Folgenden soll ein kurzer Blick auf das Leben des Arztes Aufschluss über seine Beweggründe geben.

  • Im Jahr 1828 ist Andrew Taylor Still als Sohn eines Arztes und methodistischen Priesters in Virginia geboren.
  • Er war 9 Jahre, als die Familie Still nach Nord-Missouri ziehen musste, wo hartes Pionierleben an der Tagesordnung war: Feldarbeit, Schule und Jagen. Beim Häuten und Sezieren der Tiere wurde sein Interesse für die Anatomie geweckt.
    • Einige Jahre später musste die Familie in das Revier der Shawnee-Indianer ziehen. Er tauchte in die Kultur seiner indianischen Nachbarn ein, lernte ihre Sprache und eignete sich von den Medizinmännern den Umgang mit Heilkräutern und das sogenannte Bone-Setting, also Einrenk-Techniken, an. Die schamanische Heilkunst und das Leben im intensiven Austausch mit der Natur faszinierten ihn und prägten sein Denken.
  • Die medizinische Ausbildung absolvierte er in der Praxis seines Vaters. Die damalige Medizin in Amerika war geprägt von Humoralpathologie. Dazu zählten Methoden wie Aderlass oder der Einsatz von Opiaten.
  • Während des amerikanischen Bürgerkrieges war er zwischen 1861 und 1864 als Arzt und Major im Einsatz. Im Lazarett von Kansas half er Verwundeten und führte kleinere Operationen durch.
    • Im Jahr 1864 starben seine Frau und seine Kinder an Meningitis und Lungenentzündung. Weder Schulmedizin noch Geistliche konnten diese Tragödie verhindern. Grund genug für Still, die damalige Schulmedizin anzuzweifeln und diese für sich mit anderen Kenntnissen zu erweitern.

Sein Interesse an unterschiedlichen Geistesströmungen war groß – neben den Shawnee Indianern beeinflussten Still der Amerikanische Transzendentalismus, Phrenologie, Mesmerismus und die Evolutionstheorie v. a. nach Herbert Spencer.

Als die Osteopathie Schule machte

All seine Studien und Erfahrungen mit unterschiedlichen Heilungsmethoden ließen in ihm den Entschluss reifen, dass weder die Schulmedizin allein noch die Heilkünste der Indianer das einzig Richtige sind, sondern eine Kombination aus beiden Anschauungen. Klar war für ihn, dass der Körper als Einheit betrachtet werden muss – in dem alles mit allem verbunden ist und in dem alle Funktionen in Wechselwirkung miteinander stehen. Die Selbstheilungskräfte des Körpers durch die natürliche Kraft der Hände zu stimulieren, gelang ihm bei zahlreichen Menschen, an deren Genesung damals keiner mehr geglaubt hatte. Er half Kindern und Erwachsenen, denen offenbar keiner mehr helfen konnte. So verschaffte er sich in kürzester Zeit eine Fangemeinde und Ansehen für seine Osteopathie. Offiziell bekannt wurde der Begriff „Osteopathie“ erst in seiner 1892 in Kirksville, Missouri gegründeten „American School of Osteopathy“.

Mehr zur Wirkung der Osteopathie und weitere Informationen zur Geschichte finden Sie hier: