Osteopathie bei ME/CFS und Post-COVID: Ganzheitliche Unterstützung für Betroffene
01.04.26
Chronische Erschöpfung, Schmerzen und kognitive Einschränkungen – das Chronische Fatigue-Syndrom (CFS), auch bekannt als Myalgische Enzephalomyelitis (ME), stellt Betroffene vor große Herausforderungen. Besonders nach COVID-19-Infektionen berichten viele Patienten über ähnliche Symptome. Während es bislang keine heilende Therapie gibt, setzen viele auf einen ganzheitlichen Behandlungsansatz. Im Rahmen eines ganzheitlichen Ansatzes kann die Osteopathie funktionelle Einschränkungen erfassen und den Körper gezielt unterstützen.
Was ist ME/CFS und wie äußert es sich?
ME/CFS ist eine komplexe neuroimmunologische Erkrankung, die sich durch eine anhaltende, nicht durch Ruhe linderbare Erschöpfung auszeichnet. [1] Typische Symptome sind:
- Verschlechterung des Zustands nach körperlicher oder geistiger Anstrengung
- Kognitive Beeinträchtigungen wie Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- Schlafstörungen
- Muskelschmerzen und Gelenkbeschwerden
- Störungen des autonomen Nervensystems, z.B. Schwindel oder Herzrasen
Die Diagnose erfolgt meist durch den Ausschluss anderer Erkrankungen, was den Prozess langwierig gestalten kann.

ME/CFS: Ein komplexes Krankheitsbild mit weitreichenden Folgen
Vor der COVID-19-Pandemie wurde die Zahl der Betroffenen in Deutschland auf etwa 250.000 geschätzt. Durch Long-COVID-Erkrankungen hat sich diese Zahl erheblich erhöht [2]. „Meiner Erfahrung nach haben Post-COVID-Betroffene eine ähnliche Symptomatik wie bei einer CFS. Natürlich können hier auch andere Ursachen die Beschwerden auslösen. Ich erkläre mir das aus der Erfahrung mit meinen Patienten und der Fachlektüre so, dass diese Patienten oft eine schlechtere arterielle Versorgung haben, was an einer gestörten Viskoelastizität der Gefäße liegen könnte“, so bvo-Vorstand Lutz M. Scheuerer. Er sagt aber auch, dass es hier definitiv noch an detaillierteren Forschungen mangele.
Mögliche Ursachen und Herausforderungen in der Diagnostik
Die genaue Ursache von ME/CFS ist bislang unklar, was die Diagnose zusätzlich erschwert. „In der Praxis stelle ich fest, dass primär Entzündungen die Auslöser für ein CFS sind“, erklärt Dr. Dr. Alexandra Bodmann-Peschke, stv. Vorsitzende des bvos. „Die Frage ist nur, wo diese Entzündungen im Körper sitzen bzw. woher sie kommen.“
Mögliche Verursacher könnten ihrer Meinung nach Entgiftungsstörungen, Nährstoffmangel, Belastung durch Erreger (Viren, Bakterien) und Parasiten sowie Mitochondriopathien sein. Die beiden Letztgenannten können auch Hormonstörungen auslösen. „Ebenso darf der Darm nicht außer Acht gelassen werden. Ein falsches Darmmilieu oder eine falsche Ernährung, die damit den Darm, die Leber und das Immunsystem belasten, könnten die Beschwerden ebenso auslösen.“
Osteopathie als unterstützende Therapie
Osteopathie kann einen wertvollen Beitrag zur Behandlung von ME/CFS leisten. Sie betrachtet den Körper als Einheit und zielt darauf ab, Funktionsstörungen durch manuelle Techniken zu erkennen und zu behandeln. Bei ME/CFS und Post-COVID können osteopathische Behandlungen helfen:
- Die Durchblutung zu verbessern,
- das Nervensystem zu entspannen,
- Spannungsmuster im Körper zu regulieren.
„Sind beispielsweise die Gefäße betroffen – z.B. bei Post-COVID-Patienten – mobilisiere ich mit neurovaskulären Techniken die betroffenen Gefäße wieder. Damit habe ich bereits gute Erfahrungen bei Patienten gemacht, die eine COVID-Infektion überstanden haben. Meist merken sie unmittelbar eine Veränderung. Ich stelle aber auch fest, dass die Behandlung immer schwieriger wird, je öfter die Post-COVID-Patienten eine solche Infektion durchgestanden haben“, berichtet Lutz M. Scheuerer.

Ganzheitlicher Ansatz: Ernährung und medizinische Begleitung als wichtige Faktoren
Neben der osteopathischen Behandlung können auch andere Faktoren einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf haben, wie:
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann das Immunsystem stärken.
- Darmsanierung: Ein gesundes Darmmilieu unterstützt die allgemeine Gesundheit.
- Psychologische Unterstützung: Hilft bei der Bewältigung der emotionalen Belastung.
Wichtig sei aber auch, betont Lutz M. Scheuerer, einen spezialisierten Arzt aufzusuchen.
Da viele Betroffene Schwierigkeiten haben, die Krankheit von Ärztinnen und Ärzten anerkannt zu bekommen, ist es daher ratsam, sich an spezialisierte Fachkräfte und Ärzte zu wenden und Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Fazit: Bewusstsein schaffen und Betroffene unterstützen
ME/CFS ist eine schwerwiegende Erkrankung, die oft unterschätzt wird. Da die Diagnose komplex ist und es bislang keine Therapie gibt, die Abhilfe schafft, ist es umso wichtiger, Betroffene mit integrativen Therapieansätzen wie der Osteopathie individuell zu unterstützen.
Der Zusammenhang zwischen Long COVID und ME/CFS zeigt, dass weiterer Forschungsbedarf besteht. Patienten sollten sich umfassend informieren und spezialisierte Beratungsstellen in Anspruch nehmen, um eine für sie bestmögliche Behandlung zu erhalten.
Quellen:
[1] Chronisches-Fatique-Syndrom aus Sicht der ganzheitlichen Medizin. Praxis für ganzheitliche Medizin, Dresden.
[2] ME/CFS – Daten und Fakten. Deutsche Gesellschaft für ME/CFS e.V.
Interessantes über den/die Autoren
Lutz M. Scheuerer
Seit 1989 ist Lutz M. Scheuerer in seiner eigenen Praxis in Regensburg u.a. als Physiotherapeut und Sportphysiotherapeut (DOSB) tätig. Daneben ist er Inhaber der Osteopathie Schule Scheuerer und Therapeutische Weiterbildung Scheuerer sowie Mitgesellschafter des Infomed Fortbildungszentrums. Er unterrichtete über 20 Jahre am Deutschen Fortbildungsinstitut für Osteopathie (DFO), war dort von 1997 bis 2020 Leiter und ist auch jetzt noch als Fachlehrer für Neurovaskuläre Therapie und Manuelle Therapie tätig.
Lutz M. Scheuerer übt seinen Beruf aus Leidenschaft aus: Er absolvierte erfolgreich eine fünfjährige Osteopathie-Ausbildung (BAO) und schloss an der Steinbeis-Hochschule Berlin den Studiengang „Manuelle Medizin und Osteopathie“ mit einem B. Sc. ab. Zudem absolvierte er eine Ausbildung in klinischer Psycho-Neuro-Immunologie (kPNI) nach Prof. Dr. Leo Pruimboom und schrieb einige wissenschaftliche Fachartikel zum Thema Osteopathie.
2002 war er Mitbegründer des Bundesverbands Osteopathie e.V. – bvo und engagiert sich noch heute als Vorstand und Schatzmeister des Verbands, da er den Beruf des Osteopathen etablieren möchte.
Kontakt:
lutz.m.scheuerer@bv-osteopathie.de
www.physio-scheuerer.de
www.scheuerer-weiterbildung.de
www.fortbildungszentrum.net
Dr. Dr. Alexandra Bodmann-Peschke
Die Zahnärztin und Ärztin Dr. med. dent. Dr. med. univ. Alexandra Bodmann-Peschke behandelt in ihrer Praxis im bayerischen Schongau ihre Patienten ganzheitlich – von jung bis alt. Dabei hat sie sich insbesondere auf die Kieferorthopädie – ohne Außenspangen und ohne einen Zahn zu ziehen – spezialisiert. Sie ist kPNI-Therapeutin und hat eine Ausbildung in Kinderosteopathie absolviert, um die Zusammenhänge im Körper besser zu erkennen und zu sehen, was die Osteopathie leisten kann.
Dr. Dr. Bodmann-Peschke hält weltweit Vorträge und ist auch beim Bundesverband Osteopathie e.V. – bvo für die internationalen Kontakte zuständig. Als stellvertretende Vorsitzende möchte sie sich dafür einsetzen, dass der Osteopath ein eigenständiges Berufsbild wird und so der Erstkontakt zum Patienten gewährleistet ist.
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Jacqueline Damböck
Von Kindesbeinen an hat Jacqueline Damböck mit Gesundheitsthemen zu tun: Aufgewachsen in einer Massagepraxis und später Physiotherapie hat sie sich daneben schon immer für Medien und den Journalismus interessiert. Nach der kaufmännischen Ausbildung im Verlag absolvierte sie daher das Ressortjournalismus-Studium mit Schwerpunkt Medizin und Biowissenschaften an der Hochschule Ansbach.
Im Anschluss sammelte sie Erfahrungen als Fachredakteurin, freie Journalistin und Werbetexterin. Bevor sie zum bvo wechselte war sie Chefredakteurin der CO.med.
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