Erst Karriere dann Kind: Mutter ab 40

21.10.20

Spätes Mutterglück? 40-Plus-Mamas sind in den Geburtsvorbereitungskursen deutscher Großstädte längst nicht mehr eine Minderheit – ganz im Gegenteil. Welche Rolle spielt das Alter aus osteopathischer – ganzheitlicher Sichtweise – beim Thema Schwangerschaft?

Das Alter der Frauen, die zum ersten Mal Mutter werden, schiebt sich immer weiter nach hinten. Seit dem Jahr 1990 hat sich die Zahl der Frauen, die mit über 40 Mama werden, vervierfacht. 2018 war jede elfte Frau bei der Geburt ihres Kindes 40 Jahre oder älter. „Das Erstgeburtsalter steigt kontinuierlich. Das ist ein eindeutiger Trend, der sich immer dynamischer entwickelt“, erzählt Martin Bujard, Forschungsdirektor beim Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) im Interview mit dem Ärzteblatt.

Späte Schwangerschaft: Wie entscheidend ist das Alter wirklich?

Es stellt sich die Frage, ob das Alter in Zahlen wirklich so entscheidend ist – oder ob es nicht viel mehr an der körperlichen Konstitution der Frau liegt.

„Die Eizellen werden schon in der Mitte der Embryonalzeit in der Schwangerschaft der Mutter angelegt, also spielen sicherlich schon die mütterliche Konstitution und Lebensgewohnheiten eine bedeutende Rolle,“ so Osteopathin Susanne Dreyer, die in ihrer Praxis vor allem Kinderwunsch-Patientinnen behandelt. Außerdem ist sie Dozentin für Gynäkologie an der Freien Akademie für Osteopathie.

Aber auch die Lebensweise, Ernährung, Darmgesundheit und besonders das Immunsystem sind meiner Meinung nach bedeutend für die Eizellengesundheit, nicht nur als Erwachsene, sondern auch schon in der Kindheit. Heute kommt auch noch das Thema Hormone, Phytohormone, Toxine, Umweltbelastung und Medikamente erschwerend dazu. Aber sicherlich spielt die Darmgesundheit, die Insulinsensibilität und die Leistungsfähigkeit der Leber eine Schlüsselrolle für Fruchtbarkeit.

Leider ist es nicht zu verleugnen, dass die Eizellenkapazität nach dem 40. Lebensjahr um ein Vielfaches sinkt und damit auch die Chance auf Schwangerschaft,“ sagt Susanne Dreyer.

Dass das höhere Alter nicht der wahre Grund für das erhöhte Risiko einer Frühgeburt oder niedrigen Geburtsgewichts ist, und die Ursachen eher in den persönlichen Lebensumständen und Verhaltensweisen der Mütter liegen können, berichtet auch das Ärzteblatt in einem Artikel aus dem Jahr 2017, der sich auf eine retrospektive Studie  beruft, die im American Journal of Epidemiology veröffentlicht wurde.

Und wie sieht es bei den Männern aus?

Bei Schwangerschaft im Alter, denken alle zuerst an die Frau – doch auch das Alter und die Fruchtbarkeit des Mannes spielen eine Rolle, die oft übersehen wird. „Trotz allem sollte man bedenken, dass im Moment in Deutschland die Rate der männlichen Unfruchtbarkeit höher liegt, als bei den Frauen. Die gute Nachricht: Spermien können sich in knapp 3 Monaten völlig erneuern. Mit einer gesunden Work-Life-Balance, ausgewogener Ernährung und Sport kann proaktiv an der Fruchtbarkeit gearbeitet werden. Ausgenommen es liegen Hodenveränderungen, Narben oder andere Probleme vor, die eine Schwangerschaft erschweren.“


Im Teil 3 der News-Spezial-Serie erfahren Sie, wie Osteopathie bei der Schwangerschaft unterstützen und Frauen auf die Geburt vorbereiten kann.


Quellen:

Ärzteblatt

destatis.de


Susanne Dreyer

Die BVO-Osteopathin mit Schwerpunkt Gynäkologie behandelt in ihrer Praxis vor allem Kinderwunsch-Patientinnen. Außerdem ist sie Dozentin für gynäkologische Postgraduatkurse an der freien Akademie für Osteopathie.