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Gesundheit braucht Bewegung

29.12.14

In einem verspannten und blockierten Körper sind Erkrankungen nicht weit. Genau hier setzt die Osteopathie an. Lange Zeit führte der Weg zuletzt zum Osteopathen – nämlich erst dann, wenn Hausarzt, Orthopäde und Physiotherapeut nicht weiterwussten oder nicht zuverlässig helfen konnten. Das hat sich geändert: Heute haben viele die Visitenkarte ihres Osteopathen immer griff bereit. So holen dem Verband der Osteopathen Deutschlands zufolge jährlich etwa 5,12 Millionen Patienten den Rat eines Osteopathen ein.

Heilende Hände

Obwohl der Besuch nachher meist für Begeisterungsstürme sorgt – richtig klar ist vielen Menschen die Wirkungsweise der Osteopathie nicht. Kein Wunder, denn oftmals wird sie extrem vereinfacht oder irritierend dargestellt. Da ist dann von „Heilen durch Handauflegen“ die Rede, dem das Versprechen einer Wunderheilung anhaftet. Was der Osteopath tatsächlich tut: innere Verspannungen und Blockaden des Bewegungsapparates aufspüren. Und zwar, indem er den gesamten Körper abtastet, den Bewegungsablauf einzelner Gliedmaßen beobachtet und so nach Unregelmäßigkeiten sucht. Diese korrigiert er mit gezielten Griffen und regt dadurch die Selbstheilungskräfte des Körpers an. Bis auf seine langjährig geschulten Hände braucht der Osteopath keine weiteren Hilfsmittel oder Instrumente. Vielleicht noch einen Zettel und einen Stift, denn ein ausführliches Vorabgespräch gehört unbedingt dazu. Während der Untersuchung begibt sich der Osteopath auf eine Reise tief in das Innerste seines Patienten: zu dessen Muskeln und Gelenken, seinen Knochen und Sehnen, den Bindegewebsschichten (Faszien) und Organen. Der Grund hierfür ist sein Verständnis von unserem Körper als einer großen, zusammenhängenden Einheit.

Tiefe Spurensuche

Bildlich gesprochen: Verschiedene große und kleine Rädchen greifen lückenlos ineinander und beeinflussen sich gegenseitig. Ist eines aber blockiert, müssen andere umso stärker drehen oder ihre Richtung ändern, um das System trotzdem am Laufen zu halten. Das mag über einen begrenzten Zeitraum zwar funktionieren, ist aber langfristig zum Scheitern verurteilt – irgendwann bricht das erzwungene System zusammen. Beim Betroffenen macht sich dies in Form verschiedenster Beschwerden bemerkbar.

Innere Selbstheilungskräfte

Das Bild der Zahnrädchen veranschaulicht sehr schön, warum Ursachen und Symptome räumlich so weit voneinander entfernt liegen können. Warum sich also beispielsweise ein Problem am Knie im Nacken zeigt, eine Blockade in der Hüfte Kopfschmerzen verursacht oder ein kranker Magen die Wirbelsäule schwächt. Gelingt es aber dem Osteopathen, diese Störung aufzuspüren und aufzulösen, kommen Linderung, Besserung und Wohlbefinden von ganz alleine zurück. Dieser diagnostische Stellenwert unterscheidet Osteopathie übrigens von anderen Behandlungsformen wie Shiatsu, Physiotherapie, Massage oder Chiropraktik, die sich rein auf die Therapie konzentrieren.

Zuverlässiges Wirkungsspektrum

Natürlich ist Osteopathie kein Patentrezept. So sind ihr beispielsweise bei schwerwiegenden psychischen Erkrankungen sprichwörtlich die Hände gebunden. Auch Krebs, Infektionen oder Gefäßablagerungen gehören nicht in das Behandlungsfeld eines Osteopathen. Wissenschaftlich anerkannt ist ihre Wirksamkeit allerdings bei Rückenschmerzen und Bandscheibenvorfällen, Sportverletzungen und Tennisarmen, Schwindel, Bluthochdruck oder Magen-Darm-Beschwerden. Üblicherweise tritt eine deutliche Besserung nach etwa vier Behandlungen ein, wobei jede Therapiesitzung neu auf die Tagesform des Patienten angepasst werden muss.

Wichtig zu wissen

JAKOB SETZWEIN, VORSTANDSMITGLIED DES BUNDESVERBAND OSTEOPATHIE e.V. – BVO

Herr Setzwein, über welche Ausbildung verfügen Osteopathen?

Osteopathie ist hierzulande meist eine berufsbegleitende Ausbildung, die Ärzten, Heilpraktikern, Physiotherapeuten und Masseuren offensteht. Leider ist die Bezeichnung nicht bundeseinheitlich geschützt. Lediglich in Hessen dürfen sich Physiotherapeuten, die eine reglementierte Weiterbildung absolviert haben Osteopath nennen. Da Osteopathie aber zur Heilkunde zählt, darf sie in Deutschland nur von Ärzten und Heilpraktikern selbstständig ausgeübt werden. Alle anderen Berufsgruppen dürfen trotz eines osteopathischen Abschlusses derzeit nicht alleine diagnostizieren und sind auf eine Überweisung (Rezept) des Patienten durch den behandelnden Arzt oder Heilpraktiker angewiesen.

Wie können sich Patienten vor schwarzen Schafen schützen?

Sie sollten auf eine mindestens vierjährige, qualifizierte osteopathische Ausbildung achten. Dafür hilft ein Blick ins Internet: Der Bundesverband Osteopathie führt auf seiner Website eine Therapeutenliste mit Mitgliedern, die diese Bedingungen erfüllen.

Wie teuer ist eine osteopathische Behandlung?

Osteopathie ist in Deutschland keine Kassenleistung, sondern wird dem Patienten als Privatleistung in Rechnung gestellt. Der Kostensatz liegt zwischen 60 und 150 Euro pro Sitzung Allerdings erstatten derzeit mehr als 100 gesetzliche Krankenkassen die Leistungen zumindest anteilig. Wie viel genau und welche Anforderungen die Kasse an die berufliche Qualifikation des Osteopathen stellt, sollten Versicherte zuvor mit ihrem zuständigen Sachbearbeiter besprechen.

Für wen ist Osteopathie geeignet?

Für jeden, denn sie macht keine Alters- oder Geschlechtsunterschiede. Vom Säugling bis zum Greis. Selbst Schwangere sind dort gut aufgehoben.