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Schreibabys brauchen Entspannung

19.12.13

Manche Babys schreien ohne ersichtlichen Grund besonders viel und ausdauernd: Schreibabys sind überreizt, haben Einschlaf- und oft auch Fütterungsprobleme und lassen sich kaum beruhigen. Etwa 20 bis 30 von 100 Säuglingen gelten als Schreibabys. Bei den meisten von ihnen beginnt die Schreiphase in der zweiten Lebenswoche und nimmt im dritten Monat wieder ab. Sie kann aber auch weitere Monate andauern. Oft sind die Ursachen für das Schreien zwar harmlos, es können jedoch gesundheitliche Störungen oder Erkrankungen vorliegen. Bei übermäßigem Schreien sollten Eltern ihr Baby deshalb auf jeden Fall vom Kinderarzt untersuchen lassen. „Empfehlenswert sind auch die kostenlosen Angebote der öffentlich getragenen Familien- und Erziehungsberatungsstellen sowie die Krisenberatungen der Schreiambulanzen“, sagt Birte Wienberg von der atlas BKK ahlmann. „Leider dürfen die gesetzlichen Krankenkassen die kostenpflichtigen Beratungen und Behandlungen der Schreiambulanzen in der Regel nicht erstatten.“

Osteopathische Therapie kann sinnvoll sein

Der häufigste Auslöser für das Schreien ist eine sogenannte Regulationsstörung: Das Baby ist noch nicht in der Lage, die erlebten Inhalte in dem Maße zu verarbeiten und „einzusortieren“, dass eine „normale“ Ruhe entstehen kann. Übermäßiges Schreien kann bei Säuglingen aber auch ein Anzeichen für das sogenannte KiSS-Syndrom sein oder – in seltenen Fällen – seinen Grund in den Dreimonatskoliken haben. Für alle drei möglichen Ursachen kann sich die osteopathische Therapie als sinnvoll erweisen. Verordnet der Arzt einem Schreibaby eine solche Therapie, erstattet eine Krankenkasse wie die atlas BKK ahlmann die Kosten. Mehr Infos gibt es unter dem kostenlosen Service-Telefon 0800 0435510.

 

So kann eine osteopathische Behandlung Schreibabys helfen

Im Experteninterview erklärt die Bremer Physiotherapeutin und Osteopathin Heike Seifert, wie die osteopathische Behandlung Schreibabys helfen kann:

In welchen Fällen ist bei Schreibabys Osteopathie sinnvoll?

Heike Seifert: Schreibabys sind immer sehr angespannt. Da die Osteopathie auch entspannend wirkt, ist sie bei einem Schreibaby schon allein aus diesem Grund sinnvoll – auch bei Babys mit Regulationsstörungen. Besonders hilfreich ist sie bei der Behandlung von sogenannten KiSS-Babys. Mit gezielten manuellen Techniken können die Störungen gut beeinflusst werden.

Stichwort KiSS-Syndrom – wie entsteht es?

Heike Seifert: Die Schieflage, wie ich sie nenne, kann vor, während und auch nach der Geburt entstehen. Die Schädelknochen sind noch weich und verformbar. Bei der Geburt sind sie großem Druck ausgesetzt. Dabei können Verschiebungen am Kopf, an der Halswirbelsäule und auch im Schulterbereich entstehen, die Spannungen auslösen und Schiefhaltungen provozieren. Solche Babys mögen oftmals überhaupt nicht auf dem Bauch liegen und sie bevorzugen in der Rückenlage eine bestimmte Richtung, in die sie ihren Kopf halten.

Können Sie feststellen, ob ein Baby das KiSS-Syndrom hat?

Heike Seifert: Die Fehlstellungen und Verformungen lassen sich bei einer osteopathischen Untersuchung ertasten. Sie sind auch am Verhalten und an den Bewegungen des Babys zu erkennen. Eine Diagnose kann und darf aber nur ein Arzt stellen.

Wie verläuft Ihre osteopathische Behandlung bei einem Schreibaby?

Heike Seifert: Ich beginne mit einer gründlichen Untersuchung, bei der ich Verspannungen in den Muskeln und im Bindegewebe ertaste. Daraus entwickele ich ein Behandlungsschema, um diese Verspannungen mit sanften manuellen Techniken zu lösen.

Wie verhalten sich Schreibabys während der Behandlung?

Heike Seifert: Sie entspannen sich häufig recht schnell. Das liegt zum einen an der osteopathischen Behandlung, aber auch daran, wie das Baby liegt und wie man es anfasst. Die Eltern sind manchmal ganz verwundert, wenn sich ein Baby relativ schnell bei der Behandlung beruhigt. Manchmal hilft es, wenn ich das Baby in ein großes Kissen lege, das ihm Halt gibt. Das klappt natürlich nicht immer. Aber ich denke, ich habe durch meine jahrelange Arbeit mit Säuglingen den „richtigen Griff“. Das Baby spürt meine Sicherheit, dadurch fühlt es sich gut aufgehoben und auch das trägt zu seiner Entspannung bei.

Wirkt die Osteopathie bei allen Schreibabys?

Heike Seifert: Nach meiner Erfahrung zeigt Osteopathie bei vielen Babys Wirkung, deshalb ist sie auf jeden Fall einen Versuch wert.

Was raten Sie Eltern mit einem Schreibaby?

Heike Seifert: Auf jeden Fall mit dem Baby zum Arzt gehen! Das Schreien sollte medizinisch abgeklärt werden. Außerdem ist es wichtig, sich bei der Betreuung unterstützen zu lassen. Eltern brauchen jemanden, der sich mit ihnen um das Baby kümmert, damit sie sich mal ausruhen und ein paar Stunden durchschlafen können: Großeltern, Geschwister oder eine gute Freundin – jemand, der eine ausgeglichene Persönlichkeit hat und dem sie ihr Baby anvertrauen können. Für Alleinerziehende ist das besonders wichtig.

(Pressemitteilung der atlas BKK ahlmann)